Resilienz und der Umgang mit Rückschlägen

Rückschlag im Arbeitsleben - ResilienzNicht nur im Privatleben, sondern (und teilweise vorallem) auch im Arbeitsleben sind Rück- und Niederschläge keine Seltenheit. Im Kontext dieser Begrifflichkeit befindet auch der Begriff „Resilienz“. Was es damit auf sich hat und warum Resilienz gut ist, soll im Folgenden geklärt werden.

Was ist ein Rückschlag?

Ein Rückschlag kann verschiedene Formen haben. Zum Beispiel eine negative Nachricht, eine hohe Rechnung, Krankheit oder eine Kündigung. Rückschläge werden subjektiv wahrgenommen. So betrifft der Tod einer Person nur deren Verwandte und Freunde, nicht aber die Personen, die den Verstorbenen nicht kannten.

Rückschlage werden gesellschaftlich und persönlich wahrgenommen. In unserer Gesellschaft wird Scheitern oft als negativ angesehen. Häufig wird nur über die Erfolge gesprochen.
Persönlich werden Rückschläge ganz unterschiedlich wahrgenommen. Ein und derselbe Fehler wird von mehreren Personen unterschiedlich aufgefasst und verarbeitet.

Umgang mit Rückschlägen

Ein Scheitern sollte nicht als Schwäche oder Niederlage, die es „unter den Tisch zu kehren“ gilt gesehen werden. Rückschläge sollten eher von vornherein mit eingeplant werden und im Falle des Auftretens besprochen und reflektiert werden. Durch die vollständige Reflexion kann man mit dem Rückschlag abschließen und daraus lernen.

Ein gesundes Selbstwertgefühl ist Teil eines glücklichen Lebens. Oft findet jedoch eine leistungsorientierte Selbstwertbindung statt. Ein Erfolgserlebnis, bestätigt dem Selbstwertgefühl „ok“ zu sein. Ein Scheitern wiederum schwächt es. Um der Schwächung aus dem Weg zu gehen, werden Fehler bei anderen gesucht, was langfristig zur Unzufriedenheit führen kann. Fehler sollten nicht als Niederlage auf ganzer Linie gesehen werden. Das Verarbeiten eines Problems kann genauso befreiend wirken und das Selbstwertgefühl stärken. Auch aus einer Niederlage ergibt sich somit eine Chance, an der man weiter wachsen kann.

Es ist falsch zu sagen, dass man nicht optimistisch sein könnte. Menschen kommen nicht als Pessimisten auf die Welt. Pessimismus ist anerlernt. Genauso lässt sich auch Optimismus erlernen. Optimistische Menschen scheitern seltener und verarbeiten ggf. auftretende Rückschläge schneller und effektiver. Sie sehen sie als Chance an.

Stehauf-Menschen

Menschen, die Krisen unbeschadet überstehen, nennt man resilient. Bei Resilienz spricht man umgangssprachlich auch von der „inneren Widerstandskraft“. Man hat beobachtet, dass resiliente Menschen ihr Selbstwertgefühl nicht an die von ihnen erbrachten Leistungen knüpfen, sondern eine „selbstverpflichtende Zielbindung“ eingehen. Fragt man einen resilienten Menschen im Falle einer Krise nach seinem Wohlbefinden, so beschreibt er dieses meist als „gut“. Er hätte zwar Probleme, um die er sich nun kümmern müsse, was jedoch zu bewältigen sei. Er lässt sich nicht zu Boden reißen, sondern versucht aktiv mit dem Misserfolg abzuschließen und diesen zu verarbeiten.

Sinnbildlich werden resiliente Menschen auch mit einem Stehaufmännchen verglichen, da sie aus jeglicher, noch so widriger, Lebenslage wieder aufstehen und nicht am Boden liegen bleiben. Umgangssprachlich spricht man bei Resilienz auch vom „Immunsystem der Seele“.

Resilienz

Resilienz stammt vom lateinischen Wort „resiliere“ ab, welches rückfedern oder abprallen bedeutet. Die ursprüngliche Verwendung des Begriffs stammt aus der Werkstoffkunde und beschreibt Materialien, die sich nach Verformung durch Außeneinwirkung wieder in ihren Ursprungszustand zurück verformen.

In der Psychologie wurde der Begriff von Emmy E. Werner geprägt, die 1971 eine Studie vorlegte in der Sie über mehrere Dekaden hinweg rund 700 Kinder auf Kauai (Hawaii) beobachtete, die unter widrigen sozialen Umständen (chronische Armut, Scheidung, Alkohol- und Drogenkonsum der Eltern) aufwuchsen. Zwei Drittel der Kinder gerieten auf „die schiefe Bahn“. Ein Drittel jedoch entwickelte sich vorbildlich zu kompetenten und psychisch stabilen Menschen. Bei diesen Kindern waren drei wesentliche Schutzfaktoren erkennbar;

  1. Der Schutzfaktor des Individuums, der beschreibt, wie hoch das Selbstwertgefühl eines Kindes war, wie sehr es selbst auf sich Stolz sein konnte und ob es daran geglaubt hat, Probleme selbst bewältigen zu können (Selbstwirksamkeit).
  2. Der Schutzfaktor der Familie, der beschreibt, ob die Kinder schon im frühen Lebensalter eine Gelegenheit hatten, sich an eine Person zu binden, die emotional stabil war und die auf die kindlichen Bedürfnisse und Sorgen eingehen konnte und somit eine Art Ersatzeltern darstellt.
  3. Der Schutzfaktor des Umfelds, der beschreibt, ob es weitere Bezugspersonen wie Pfarrer, Lieblingslehrer, Nachbarn oder Freunde gibt, die emotionale Unterstützung und Ratschläge in Krisenzeiten bieten können.

Im Laufe der Zeit hat sich die Definition des Begriffs Resilienz geweitet. Wo Emmy E. Werner den Begriff nur für einzelne Eigenschaften der Kinder in Extremsituationen verwendet hat, wird er heute dazu genutzt Menschen zu beschreiben, die in allen Lebenslagen besonders widerstandsfähig sind. Menschen, die zum Beispiel besonders gut mit den Belastungen der Arbeit umgehen, um Ihre psychische Belastung zu senken, gelten heutzutage als resilient.

Die 7 Säulen der Resilienz

Die Resilienzforschung hat die sogenannten 7 Säulen der Resilienz herausgearbeitet, die beschreiben sollen, welche Komponenten einen resilienten Menschen, nach heutiger Auffassung des Begriffs, ausmachen.

  1. Optimismus; ein optimistischer Mensch, macht sich bewusst, dass Krisen zeitlich begrenzt und zu bewältigen sind.
  2. Akzeptanz; um Krisen zu verarbeiten, müssen diese als solche akzeptiert werden.
  3. Lösungsorientierung; wie kann ich die Krise bewältigen? Welche Schritte muss ich tun?
  4. Die Opferrolle verlassen; sich bewusst manchen, dass man selbstwirksam ist und etwas an der Situation ändern kann.
  5. Verantwortung übernehmen; Sich nicht die Schuld für alles geben, aber Fehler eingestehen und die Konsequenzen austragen, statt sich davor zu drücken.
  6. Netzwerkorientierung; Kontakte pflegen und Bezugspersonen binden, die einem Halt geben.
  7. Zukunftsplanung; Die Zukunft planen, um die Ziele vor Augen zu haben, an denen man sich aufrichten kann.
3 Kommentare
  1. Mats

    Schöner Artikel, der mir gerade zum richtigen Zeitpunkt vor Augen geführt hat, dass es für mich mal wieder Zeit wäre, aufzustehen.

    Zu Resilienz kann man sich auch zwingen!

  2. Uwe

    Ich danke Ihnen für diesen hilfreichen Artikel. Rückschläge erlebt man leider immer wieder im Leben. Mit der Zeit lernt man mit diesen umzugehen. Man sollte sich nie zu sehr von einem Rückschlag runterziehen lassen. Das ist aber oft gar nicht so leicht.

  3. Till

    Rückschläge tun wirklich weh und es ist schwer zu akzeptieren, dass es nicht nur bergauf gehen kann. Trotzdem gehören sie ja einfach zum Leben dazu.

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